Neues zum Prostatakarzinom 2017

Die PSA-basierte (prostataspezifisches Antigen) Prostatakrebs-Früherkennung steht trotz einer nachgewiesenen Verminderung der Prostatakrebs-spezifischen Sterblichkeit um 27 % aufgrund der noch relativ hohen Rate an Überdiagnostik in der Kritik. Neuere Daten zur Wertigkeit eines frühen Basis-PSA-Werts im Alter von 45–50 Jahren, familiäre Risikofaktoren und molekulare sowie neue bildgebende Verfahren (multipara-metrisches MRT der Prostata) haben das Potenzial, die Patienten besser zu selektionieren, die tatsächlich eine Prostatagewebsprobenentnahme benötigen. Ist der PSA Grenzwert – je nach Bestimmungsmethode 3 ng/ml oder 4 ng/ml überschritten, ist noch nicht in jedem Fall eine Stanzbiopsie der Prostata indiziert. Zur weiteren Beurteilung der Notwendigkeit stehen die Bestimmung der PSA Ratio (Verhältnis des freien PSA / gesamt PSA), der Prostate Health Index (PHI) basierend auf dem Ermitteln einer neben dem freien und dem komplexierten (gebundenen) PSA weiteren PSA-Isoform, des [-2]pro-PSA (ein „Vorläufer-PSA“), der PCA3 Urin Test (ca. 330.- Euro) und der SelectMDx Test (ca. 270.- Euro). PCA3 ist ein Molekül, das in Krebs-Zellen der Prostata in fast 100-mal höherer Konzentration vorliegt als in normalen Zellen der Prostata. Nach einer ärztlichen Tast-Untersuchung der Prostata werden Prostata-Zellen, inklusive evtl. vorhandener Krebszellen in den Urin abgegeben. Im Urin können diese Krebszellen dann nachgewiesen werden.

Der SelectMDx „Liquid Biopsy genetic Test“ misst den mRNA Wert von DLX1 und HOCX6. Aus der Höhe des Wertes ist das Risko für das Vorliegen eines sogenannten „Hochrisiko“ Prostata-karzinoms abzuschätzen. Gegenüber einer alleinigen PSA Bestimmung konnte durch Bestimmung des Select MDx Wertes eine Prostatastanzbiopsie in 41 % der Patienten vermieden werden.1

Eine immer größere Rolle spielt auch die Durchführung eines multiparametrischen MRTs der Prostata. Bei qualifizierter Durchführung und Auswertung ist bei Nachweis einer sogenannten Pi-RADS III bis V Läsion die Indikation zur gezielten Biopsie gegeben.
Das individuelle Risiko für das Vorliegen eines signifikanten Prostatakarzinoms kann in Zusammenhang mit anderen Untersuchungsparameter anhand eines Nomogramms beurteilt werden.
Radtke JP, et al. Combined Clinical Parameters and Multiparametric Magnetic Resonance Imaging for Advanced Risk Modeling of Prostate Cancer—Patient-tailored Risk Stratification Can Reduce Unnecessary Biopsies.2

Bei Patienten mit einem sogenannten Niedrigrisiko Prostatakarzinom, die sich in einer Aktiven Überwachungsbehandlung befinden, sollte bei bekannt familiärer Prostatakarzinombelastung eine BRCA2 genetische Untersuchung erfolgen. Bei Nachweis einer genetischen Instabilität sind diese Patienten nicht für eine Aktive Überwachungsbehandlung und auch nicht für eine Strahlentherapie der Prostata geeignet. In diesen Fällen ist zu einer radikalen Prostataentfernung zu raten.3

Bei dem metastasierten hormonnaiven Prostatakarzinom war viele Jahrzehnte der Androgenentzug (medikamentös oder durch Entfernung der Hoden) die Therapie der Wahl. Seit etwa 2 Jahren sollte diese Androgendeprivation des hormonnaiven Karzinoms mit einer gleichzeitigen Chemotherapie (Docetaxel) zumindest bei hoher Metastasenanzahl ergänzt werden.

Im Juni diesen Jahres veröffentlichte Studienergebnisse haben bestätigt, dass die primäre Androgendeprivation in Kombination mit Abirateronazetat bei Patienten mit Metastasen zu einer deutlichen Verbesserung des Gesamtüberlebens gegenüber der langjährigen Standardtherapie führt. Auch wenn diese so behandelten Patienten nicht direkt mit einer Gruppe von Patienten mit zusätzlicher Chemotherapie verglichen wurden, scheinen die Ergebnisse weitaus besser zu sein. Es ist damit zu rechnen, dass bei in Kürze zu erwartender Zulassung von Abirateronazetat (Handelsname: Zytiga®)für diese Indikation, dieses Management die Standardtherapie beim hormonnaiven primär metasasierten Prostatkarzinom werden dürfte.4

 

1Dijkstra S, et al. (2017) Cost-effectiveness of a new urinary biomarker-based risk score compared to standard of care in prostate cancer diagnostics – a decision analytical model. BJUI. [advance e-publication] doi: 10.1111/bju.13861.

2Eur Urol (2017), http://dx.doi.org/10.1016/j.eururo.2017.03.039

3M.Cui et al, BRCA2 mutations should be screened early and routinely as markers of poor prognosis: evidence from 8,988 patients with prostate cancer. www.impactjournals.com/oncotarget, advance publication 2017.

4N.D.James et al, Abiraterone for Prostate Cancer Not Previously Treated with Hormone Therapy. New England Journal of Medicine, This article was published on June 3, 2017, at NEJM.org. DOI: 10.1056/NEJMoa1702900 .