Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) zur Unterstützung bei Erkrankungen

DiGA App EDERA (Kranus Health GmbH) zur Behandlung der erektilen Dysfunktion

Eine Erektionsstörung bei Männern im mittleren und älteren Lebensalter ist eine relativ häufig auftretende Beeinträchtigung. Die Ursachen sind oft sehr vielfältig. Im Vordergrund stehen Verengungen der arteriellen Penisgefäße, Veränderungen der Nerven, die für die Initiierung der Gliedsteifigkeit verantwortlich sind und psychogene Beeinträchtigungen. Viele dieser Probleme hängen mit einem ungesunden Lebensstil zusammen. Anerkannte Risikofaktoren sind zum Beispiel deutliches Übergewicht mit entsprechend erhöhtem Fettstoffwechsel / Cholesterin – insbesondere LDL-Cholesterin-Erhöhung, Bluthochdruck, Nikotinabusus, wenig sportliche Betätigung und andere.

Aufgrund der heutzutage zur Verfügung stehenden PDE5-Hemmer wie Viagra können die Erektionsstörungen oft allein durch die Einnahme der sogenannten „blauen Pille“ eine Zeitlang gut kompensiert werden. Gleichzeitig wird bei der ärztlichen urologischen Vorstellung darauf hingewiesen, sein Leben betreffend die oben genannten Risikofaktoren zu ändern, um an der Ursache für die erektile Dysfunktion anzugreifen. Mit dieser Empfehlung, die in der aktuellen Leitlinie der Erektionsstörung mit „strong rating“ (=starke Empfehlung) empfohlen wird (*), werden die Patienten bisher überwiegend alleine gelassen.

Für die Konsultation eines erektionsgestörten Mannes mit Beeinträchtigung eines wesentlichen Teils seiner Lebensqualität stehen dem Urologen in der Kassenmedizin nur etwa 10-15 Minuten zur Verfügung. Wie soll neben einer ausführlichen Untersuchung dabei noch Zeit sein, dem Mann genauestens zu erklären, wie er jetzt sein Leben in verschiedenen Aspekten anpassen sollte?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (diga.bfarm.de) hat mit Stand 19.2.2022 inzwischen 30 Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) in Form von Apps bzw. browserbasierten Anwendungen zur Verbesserung im Umgang mit einer Erkrankung und Erstattung durch gesetzliche und private Krankenkassen anerkannt. Die entsprechende APP wird auf Rezept mit der Diagnose vom behandelnden Arzt zur Verfügung gestellt und bei der Krankenkasse direkt oder über den Hersteller der APP bei der Krankenkasse eingereicht. Es handelt sich um digitale Medizinprodukte mit geringem Risiko.

Kleinere Fallzahlen haben bei der zur Mitbehandlung der erektilen Dysfunktion zur Verfügung stehenden DiGA App „EDERA“ nach 10-12 Wochen bereits eine deutliche Besserung der Erektionsfähigkeit in einem validierten Fragebogen (IIEF-5) gezeigt (urotube Fortbildung: 17.2.22: Digital Health (I): Digitale Gesundheitsanwendungen – eine Übersicht).

Insofern stellt diese App mit einem individuellen Trainingsprogramm eine sinnvolle Unterstützung dar.

Die von der Kranus Health GmbH Deutschland entwickelte EDERA App kann bei Impotenz organischen Ursprungs (N48.4) rezeptiert und auf den Plattformen Apple App Store und Google Play Store geladen werden.

Diese DiGa kann von allen Ärzten und Psychotherapeuten verordnet werden. Versicherte, die ihrer Krankenkasse einen Nachweis über die entsprechende Indikation vorlegen, erhalten die DiGA auch ohne ärztliche Verordnung (www.diga.bfarm.de).

Die DiGA EDERA ist nicht anzuwenden bei den folgenden zusätzlichen Erkrankungen gemäß ICD-10: I20.0 Instabile Angina pectoris und I25.20 Alter Myokardinfarkt: 29 Tage bis unter 4 Monate zurückliegend.

Die DiGA App EDERA wurde zunächst vorläufig in das Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen aufgenommen. Ziel dieser vom Gesetzgeber vorgesehenen Aufnahmemöglichkeit „zur Erprobung“ ist es, die DiGA bereits für die Versorgung zur Verfügung zu stellen, während gleichzeitig in entsprechenden Studien weitere Daten zum wissenschaftlichen Nachweis des positiven Versorgungseffektes erhoben werden.

Beteiligt bei der Erstellung der DiGA EDERA waren die Charité Universitätsmedizin Berlin, Urologische Klinik, Charitéplatz 1, 10117 Berlin, Prof. Dr. K. Miller und das Universitätsklinikum Münster, Abteilung für Klinische und Operative Andrologie, Albert-Schweitzer-Campus 1/Gebäude D11, 48149 Münster, Prof. Dr. S. Kliesch.

Das 12-wöchige digitale Coaching-Programm besteht aus Beckenbodentraining, physiotherapeutischen Übungen, kardio-vaskulärem Ausdauertraining und Übungen zur Achtsamkeit und Körpererfahrung sowie sexualtherapeutischen Inhalten. Sie steht Patienten ab dem 18 Lebensjahr zur Verfügung.

Nutzer der App sollen ein personalisiertes Training mit wöchentlich ändernden Übungen erhalten. Zudem gibt es eine Auswertung des Übungsfortschritts und „Motivationsbotschaften“ in Videoformat. Auch enthält die App Hintergrundinfos zur erektilen Dysfunktion.

*Leitlinie „Sexual and Reproductive Health Guideline, European Association of Urology“ 2021 (www.uroweb.org).

DiGA APP Mika (Fosanis GmbH) für Tumorpatienten

Das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) ermöglicht die Verordnung von digitalen Gesundheitsanwendungen auf Rezept. Die Mika APP zur Begleitung von Tumorpatienten ist seit März 2021 im Verzeichnis der digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufgenommen.

Die App als Therapiebegleitung für Krebspatient/innen ist die erste und bis jetzt einzige DiGA bei onkologischen Erkrankungen. Mika wurde vom Digital Health Unternehmen Fosanis GmbH in Kooperation mit onkologischen und psychoonkologischen Forschungseinrichtungen und Tumorzentren wie der Berliner Charité und dem Uniklinikum Leipzig entwickelt, und ist seit Juni 2021 für alle Krebsarten zugelassen.

Mit der Mika-App haben Krebspatient*innen eine digitale und personalisierte Therapiebegleitung an der Hand. Neben wissenschaftlich fundierten Informationen zu der jeweiligen Krebserkrankungen begleitet das Programm die Betroffenen mit Methoden und Techniken des Therapiemanagements. Dazu gehören Bewegungstrainings, Ernährungsempfehlungen und Achtsamkeitsübungen.

Der Algorithmus im Hintergrund der App hat gelernt, welche Inhalte bei der jeweiligen speziellen Krebserkrankung und den Symptomen anzuwenden sind.

Zugelassen ist die MiKA App auch für die urologischen Tumorerkrankungen bösartige Neubildung des Penis (C60), der Prostata (C61), des Hodens (C62), der Niere (C64), des Nierenbeckens (C65), des Harnleiters (C66) und der Harnblase (C67) bei Patienten ab dem 18. Lebensjahr.

Die Abkürzung Mika steht für „Mein interaktiver Krebsassistent“. Mika ist ein Medizinprodukt und kann als App auf Rezept vom Arzt verschrieben werden.

Die Kosten für die Nutzung der App übernehmen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen. (www.mitmika.de).

Die Verordnung rauf Rezept eichen Patient*innen bei ihrer jeweiligen Krankenkasse ein. Nach Prüfung erhalten die Tumorpatient*innen einen Freischaltcode von der Krankenkasse. Damit können sie die Mika-App 90 Tage lang nutzen. Im Anschluss an diesen Zeitraum kann der oder die Behandler*in bei Bedarf ein neues Rezept ausstellen. Gemäß der Zweckbestimmung ist Mika eine Anwendung zur Unterstützung der Linderung psychischer und psychosomatischer Folgen von Diagnosen und Therapien von Malignomen und kann entsprechend auch nur für Tumorpatienten verordnet werden. Im Anmeldeprozess werden Patienten durch den Freischaltcode automatisch erkannt.
Generell liegen keine Kontraindikation für die Nutzung von Mika vor. Jedoch ist es wichtig, dass die Ressourcen aktivierende Trainingseinheiten (Bewegungsübungen, sowie Achtsamkeits-, Akzeptanz- und Entspannungsübungen) nur nach Rücksprache mit dem Behandlungsteam durchgeführt werden, wenn die folgenden Einschränkungen vorliegen:
Bewegungsübungen: nach einer OP, bei Implantaten oder Knochenmetastasen, sowie bei orthopädischen Einschränkungen, Achtsamkeits-, Akzeptanz- und Entspannungs-übungen in akuten starken Belastungssituationen ohne professionelle psychotherapeutische Begleitung, bei schweren Depressionen, Psychosen und anderen schwerwiegenden psychischen Erkrankungen oder bei starken körperlichen Schmerzen. Entsprechende Warnhinweise finden sich auch jeweils zu Beginn der Übungen in der App.

Die Patienten spezifischen Symptome werden in der APP dokumentiert. Der digitaler Krebs-Assistent begleitet den Patienten durch die Therapie und unterstützt mit praktischen Tipps, Expertenwissen zu Tumorerkrankungen und persönlichen Empfehlungen zur Förderung der Gesundheit und Lebensqualität.

Tumor oder Medikamente bedingte Symptome werden in einem Tagebuch dokumentiert. Dies erleichtert es, den Therapieverlauf genau zu beobachten und mögliche Nebenwirkungen im Blick zu behalten.

Die mentale Gesundheit zu fördern, ist eines der Ziele der Mika-App. Gemeinsam mit Psychologen wurde ein Kurs-Programm entwickelt, das den Patienten im Umgang mit seiner Erkrankung und ihren Folgen unterstützt. Er lernt in den sogenannten „Themenreisen“ seine Resilienzkräfte zu trainieren und/oder zu lernen, mit Gefühlen wie Angst und Kontrollverlust umzugehen. „Traumreisen“ im Audio-Format laden zum Zuhören und Entspannen ein. Mitmach-Videos mit gezielten Bewegungsübungen helfen, Nebenwirkungen wie die bekannte Nebenwirkung „Fatigue“ zu lindern.