Chronische Skrotalschmerzen oder Hodenschmerzen sind definiert als intermittierende oder konstante einseitige oder beidseitige Schmerzen seit mehr als 3 Monaten, die Alltagsaktivitäten erheblich negativ beeinflussen. Ungefähr 4,75 % der Männer sind davon betroffen.

Die Beschwerden treten oft in Zusammenhang mit Infektionen der Nebenhoden (Epididymitis), der Prostata (Prostatitis), benignen Erkrankungen wie Wasserbruch (Hydrozele), Spermatozele und Krampfaderbruch (Varikozele), postoperativ nach Samenleiterdurchtrennung oder Leistenbruchoperationen auf. In etwa 2 % der Fälle findet sich keine Ursache, so dass man von einer idiopathischen Erkrankung spricht.

Therapeutisch werden in einer Stufentherapie primär Antibiotika, anti-endzündliche und analgetische Medikamente (z.b. Diclofenac) eingesetzt, gefolgt von regionalen Nervenblocks mit Lokalanästhetika (Infiltration des Nervus ilioinguinalis und genitofemoralis im Samenstrangsbereich). Eine mikrochirurgische Denervation des Samenstranges mit Durchtrennung der Cremasterfasern ist in etwa ¾ der Fälle erfolgreich. Selbst nach Hodenentfernung als Ultima Ratio werden nur 80 % der Patienten beschwerdefrei.

Ende 2014 wurde von Khambati und Mitarbeitern (J Sex Med 2014,11:3072-3077) zum ersten mal über gute Ergebnisse einer Botoxinjektion im Samenstrangsbereich berichtet. In dieser Pilotstudie kam es bei 72 % von 18 behandelten Patienten zu einer erheblichen Schmerzreduktion, die überwiegend bis zu 6 Monaten anhielt. Die Injektion wurde ambulant mit 100 Einheiten Botox Allergan, gelöst in 10 ml Kochsalz im oberen Skrotalbereich, etwa 1-2 cm unterhalb des äußeren Leistenringes wie die Injektion eines Lokalanästhetikums durchgeführt. Positive Erfahrungen mit dieser Substanz liegen bereits bei den chronischen Schmerzsyndromen Migräne versursachter Kopfschmerz und chronischer Beckenschmerz / interstitielle Zystitis vor. Die Wirkung dieses Neurotoxins hält in der Regel 4-6 Monate an, so dass dann eine erneute Injektion erforderlich wird.