Neues zur männlichen Harnröhrenstriktur

Das MukoCell® Verfahren ist inzwischen ein in Deutschland zugelassenes und bewährtes Verfahren bei der offenen Mundschleimhaut Harnröhrenplastik.

Harnröhrenverengungen im hinteren, eber auch vorderen Bereich der Harnröhre sind oft Folge von Unfällen und Infektionen (z.B. Gonorrhoe) bzw. treten als Folge von Katheterbehandlungen auf. Bei der Erstdiagnose wird häufig eine Einkerbung der Enge mit dem sogenannten Sachse Messerchen unter Sicht bei 12 Uhr durchgeführt. Leider bildet sich bei etwa 60-70 Prozent der so behandelten Patienten eine erneute narbige Verengung, die den Harnstrahl massiv behindert und zu entsprechenden Symptomen bei der Miktion führt. In diesen Fällen scheint eine erneute Schlitzung nicht erfolgversprechend, so dass der verengte Teil der Harnröhre offen freigelegt werden muss, und entweder eine sogenannte End-zu-End Wiedervereinigung der Harnröhrenränder nach Ausschneiden des engen Segmentes oder eine Inzision des engen Segmentes mit einer Erweiterungsplastik erfolgt. Hier hat sich als Standardverfahren für das Erweiterungsmaterial Mundschleimhaut aus der Wange bzw. aus der Lippe wegen der geringen Schrumpfungstendenz bewährt. Die Erfolgsraten mit dieser Methode einer langfristigen Beseitigung der engen Stelle werden in erfahrenen Händen mit über 80 – 90 % angegeben.

Bisher bestand das Problem, dass es in Folge der Entnahme der Mund- oder Lippenschleimhaut neben den direkt postoperativen Beschwerden (Schmerzen, Blutung und Schwellung) auch zu Langzeitkomplikationen im Mund- und Lippenbereich kommen konnte. Hier sind vor allem Gefühlstaubheit, eingeschränkter Mundspeichelfluss und Geschmack, aber auch Behinderungen der Mundöffnung, des Lächelns, Pfeifens und der Sprache zu erwähnen (Soave A et al, 2018).

Barbagli und Mitarbeiter (2018) berichteten jetzt über eine retrospektive multizentrische Studie bei Patienten mit Rezidiv einer Harnröhrenverengung und Behandlung unter Verwendung eines Schleimhaut MukoCell® Präparates. Etwa 3 Wochen vor dem Eingriff wurde eine 0,5 cm2 kleine Biopsie aus der Mundschleimhaut ambulant in Lokalanästhesie entnommen und später das „Tissue-engeenierte“ Transplantat für die Harnröhrenerweiterung benutzt. Im Langzeitverlauf bei 38 Patienten über 55 Monate im Median (12-77 Monate) zeigte sich wie bei der bisher durchgeführten Mundschleimhautentnahme eine Erfolgsrate von über 80 Prozent ohne Komplikationen im Mund bzw. Lippenbereich.

Bei der MukoCell® Methode werden sehr kleine Stücke der Mundschleimhaut mit einer Größe von 0,5 cm²-0,8 cm² benötigt. Bei längeren Verengungen können auch zwei kleine Entnahmen erforderlich werden. Nach ambulanter Entnahme der Mundschleimhautzellen werden diese „biotechnologisch“ aufgearbeitet und stehen drei Wochen später als Gewebetransplantat zur Verfügung.  Die Transplantation von dem in vitro hergestellten Gewebe aus autologer Mundschleimhaut stellt eine vielversprechende Therapiealternative zu den bisherigen Behandlungsformen dar.

MukoCell® ist das erste zugelassene, im Labor aus patienteneigenem Gewebe gezüchtete Transplantat zur Rekonstruktion der Harnröhre.

 

Literatur

Substitution Urethroplasty with Closure Versus Nonclosure of the Buccal Mucosa Graft Harvest Site: A Randomized Controlled Trial with a Detailed Analysis of Oral Pain and Morbidity.

Soave ADahlem RPinnschmidt HORink MLangetepe JEngel OKluth LALoechelt BReiss PAhyai SAFisch M. Eur Urol. 2018 Jun;73(6):910-922.

Anterior Urethroplasty Using a New Tissue Engineered Oral Mucosa Graft: Surgical Techniques and Outcomes

Guido Barbagli, Ilgar Akbarov, Axel Heidenreich, Vahudin Zugor, Roberto Olianas, Maurizio Aragona, Giuseppe Romano, Ulf Balsmeyer, Dirk Fahlenkamp, Udo Rebmann, Diana Standhaft and Massimo Lazzeri .

Journal of Urology, 2018, 200, 448-456.