Current and Emerging Treatments for Premature Ejaculation

McMahon C.G., Sex Med Rev 2015;3:183-202

Die Therapie des vorzeitigen Samenergusses (Ejaculatio praecox) hat sich in den letzten 20-30 Jahren von einer reinen kognitiven Verhaltenstherapie in ein psychosexuelles Coaching in Kombination mit einer medikamentösen Therapie entwickelt.
Bei der Ejaculatio praecox handelt es sich um eine sexuelle Funktionsstörung, die durch eine vorzeitige Ejakulation während des Geschlechtsverkehrs oder anderer Stimulationen gekennzeichnet ist. Es gibt verschiedene Definitionen mit unterschiedlich strengen Kriterien, v.a. in Bezug auf die Zeitspanne bis zur Ejakulation. Die meisten Definitionen umfassen jedoch drei Kriterien:
Die Ejaculatio praecox ist dadurch gekennzeichnet, dass…

  • die Zeit vom Eindringen des Penis in die Vagina bis zum Samenerguss als zu kurz wahrgenommen wird,
  • der Betroffene die Ejakulation nicht ausreichend kontrollieren kann und dass daraus ein erheblicher persönlicher Leidensdruck entsteht, der durch Angst, Frustration, Probleme in der Partnerschaft oder den Verzicht auf Sex gekennzeichnet ist.

Man unterscheidet eine erworbene von einer lebenslangen EP.
Die Ejaculatio praecox ist eine sexuelle Funktionsstörung des Mannes mit folgenden Merkmalen:

  • Ejakulation erfolgt immer oder fast immer, vor oder innerhalb von etwa einer Minute nach Einführen des Gliedes in die Scheide und
  • die Unfähigkeit zur Verzögerung der Ejakulation bei jeder oder fast jeder vaginalen Penetration und negative persönliche Folgen, beispielsweise Leidensdruck, Ärger, Frustration und/oder Vermeidung sexueller Intimität (wikipedia.de).

Die medikamentöse Behandlung möchte die zahlreichen Botenstoffe der Nerven (z.B. Serotonin, Dopamin, Oxytocin etc.) und Rezeptoren, die für die Kontrolle des Ejakulationsvorganges verantwortlich sind, positiv beeinflussen.

Bei zusätzlicher Störung der erektilen Rigidität des Penis bietet sich eine Behandlung mit sog. Phosphodiesteraseinhibitoren Typ 5, z.B. Sildenafilcitrat (Viagra®), Tadalafil (Cialis®), Vardenafil (Levitra®), Avanafil (Spedra®) in Kombination mit Serotonin Wiederaufnahme Hemmer (SSRIs, z.B. Dapoxetin 30-60 mg (Priligy®), Paroxetin 10-40 mg, Clomipramin 12,5 -50 mg, Sertralin 50-200 mg, Fluoxetin 20-40 mg und Citalopram 20-40 mg) an. Offiziell zugelassen für die Beahndlung der EP ist Dapoxetin (Priligy®). Die anderen SSRIs bzw. das serotonerge trizyklische Antidepressivum Clomipramin werden als „off-label“ Medikamente nicht bedarfsorientiert, sondern täglich eingenommen. Dabei zeigte Paroxetin die stärkste Ejakulationsverzögerung (8,8 fach!). Der Wirkungseintritt ist nach 5-6 Tagen Einnahme zu erwarten. Der vollständige therapeutische Effekt tritt nach 2-3 Wochen Behandlungsdauer ein. Eine bedarfsorientierte Anwendung dieser SSRIs 3-6 h vor GV führt zu einer erheblich geringeren Wirksamkeit und ist nicht zu empfehlen.

Dapoxetin (Priligy®) wird als bedarfsorientierte Medikation 1-3 h vor dem GV in einer Dosierung von 30-60 mg eingenommen und führte zu einer 2,5 bis 3 fachen Verlängerung der IELT. Als Nebenwirkungen wurden Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Unwohlsein, Müdigkeit, orthostatische Kreislaufdysregulation und Nasopharyngitis beschrieben.
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die lokale Anwendung von Anästhetika an der Glans Penis wie z.B. Lidocain und/oder Prilocain als Creme, Gel oder Spray. Sehr gute Ergebnisse wurden durch die Anwendung eines Aerosols aus Lidocain-Priloacain (PSD502) in Spray Form berichtet. Dieses Spray betäubt die Schleimhaut der Eichel, aber nicht den Penisschaft. Das Spray der Firma Plethora Solutions wurde vor kurzem in Europa zugelassen und wird im 3. Quartal 2015 unter dem Namen Fortacin® erhältlich sein.
Die Anwendung führt zu einer verminderten Empfindlichkeit der Eichel und unterdrückt einen spinalen Reflex, der für die Ejakulation verantwortlich ist. Das Spray ist etwa 5 Minuten vor dem GV anzuwenden. In einer Studie bei 256 Männer wurde die intarvaginale Zeit (IELT =intarvaginale Ejakulationslatenzzeit) bis zur Ejakulation von 0,56+0,53 Minuten auf 2,60 + 0,80 Minuten verlängert ( Carson and Wyllie, 2010). Nur in wenigen Fällen wurde über eine Gefühlsstörung des Penis, bzw. eine vaginale Sensibilitätsstörung mit Anorgasmie berichtet.
Eine erektile Rigiditätsstörung kann bedingt durch die Versagensangst zu einer EP führen, bzw. diese noch verschlechtern. In diesen Fällen wurde bei einer 1-3 monatigen PDE5 Hemmer Therapie eine deutliche Verbesserung der IELT (9,7 fach!) beschrieben (Sommer F. et al, 2005). Häufig ist eine Kombination aus PDE5 Inhibitoren mit z.B. Dpaoxetin (Priligy®) oder einem Lokalanästhetikum (Fortacin®) erforderlich.